Deutsch-Angolanische
Wirtschafts-Initiative e.V.

  

Rating-Agenturen vertrauen der angolanischen Wirtschaft

Die von den drei internationalen Rating-Agenturen vorgenommene Verbesserung des Ratings von Angola, in allen Fällen mit stabilem Ausblick, zeugt nach Auffassung eines Berichts der Economist Intelligence Unit (EIU) von großem Vertrauen in die Entwicklung der angolanischen Wirtschaft.

Wie Moody’s im Mai und Fitch im Juni, hatte auch Standard & Poors im Juli das Rating von Angola von „B+“ auf „BB-„ angehoben und Angola damit höher eingestuft als viele regionale Konkurrenten, inklusive Nigeria. Beeinflußt wurde dies durch die positive Beurteilung durch den Internationalen Währungsfond (IMF), der Angola 1,4 Milliarden Dollar Finanzierungshilfe zur Verfügung gestellt hat. Positiv bewertet wird auch die begonnene Rückzahlung angolanischer Schulden bei ausländischen Bauunternehmen, die wegen des niedrigen Ölpreises in den Jahren 2008 und 2009 aufgelaufen waren. Investoren warten zudem darauf, daß der neue Bergbau-Code, der Ende des Jahres in Kraft tritt, zu einer Ausweitung der Exploration der reichen Vorkommen vor allem an Eisenerz, Kupfer und Diamanten führen wird. Angola könnte mehr als bisher von den hohen Weltmarktpreisen bei Rohstoffen profitieren. Mit der Ankurbelung des Bergbaus wäre die angolanische Regierung damit in der Lage, die vom IMF geäußerten Bedenken einer zu großen Abhängigkeit vom Öl, nachhaltig zu zerstreuen.

Die EIU geht in ihrem Bericht von einem Wirtschaftswachstum von 7,6 Prozent im Jahre 2010 aus, das sich im kommenden Jahr auf 10,3 Prozent steigern wird.

Kommunikation mit ANIP in Kürze via Internet

Um mehr nationale und internationale Investoren anziehen zu können und die Genehmigung von Projekten zu erleichtern, plant Angolas „Agencia Nacional para o Investimento Privado“ (ANIP) in Kürze eine Internet-Plattform einzurichten, die es Investoren ermöglicht, in Echtzeit zu kommunizieren, ohne dafür vor Abschluß des Prozesses nach Angola reisen zu müssen. „Über diese Plattform“, so der Koordinator der ANIP, Aguinaldo Jaime, „kann das Genehmigungsverfahren abgewickelt werden. Nach erfolgter Genehmigung lassen sich die Projekte während der Phase der Realsierung via Internet weiterverfolgen.“

Angola ist dem jüngsten Bericht der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) zufolge eines von vier afrikanischen Ländern, das es im Anschluß an die weltweite Finanzkrise geschafft hat, weiter private und ausländische Investitionen ins Land zu holen (die anderen drei Staaten sind Libyen, Nigeria und Ägypten). Nach Aussage von Aguinaldo Jaime waren das drei Milliarden Dollar, die vor allem in die verarbeitende Industrie, abseits des Bergbau-Sektors, investiert wurden. Im vergangenen Jahr entfielen auf diesen Bereich 32 Prozent aller Investitionen.

Attraktivster Standort für Investoren ist nach wie vor Luanda, das nahezu 70 Prozent aller Investitionen anlockt, gefolgt von Benguela (7,1 Prozent), Kwanza Sul (6,5 Prozent), Uige (4,8 Prozent) und Bengo (2,6 Prozent).

Rechtsexperten sehen das neue Gesetz für Privat-Investitionen positiv

Das neue Gesetz für private Investitionen sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. Auf Einladung einer Lissaboner Anwaltskanzlei diskutierten in Luanda Rechtsexperten über dessen Auswirkungen auf in- und ausländische Investoren. Bis auf wenige Stimmen, die dem neuen Gesetz zwar eine größere Herausforderung für Investoren und eine stärkere Selektion bescheinigen, ohne aber Investments in Angola attraktiver zu machen, sah die Mehrzahl der Teilnehmer große Vorteile für das Land.

Nach Auffassung der Experten fördert das neue Gesetz vor allem strukturierte und qualifizierte Investitionen, die stärkeren Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung Angolas haben und damit sowohl dem Investor als auch dem Land Vorteile bringen. Erwartet werden zukünftig professionellere Investoren, die besser vorbereitet und organisiert sind.

Das neue Gesetz bringt den Investoren größere Sicherheit beim Schutz ihrer Investments. Die Chancen für Angola liegen im Ausbau der Exportwirtschaft, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Reduzierung regionaler Ungleichheiten. Das Gesetz verlangt Verhandlungen zwischen Regierung und Investoren, weil beispielsweise Steuererleichterungen nicht länger automatisch gewährt, sondern individuell ausgehandelt werden müssen.

Bislang, so die Meinung der Rechtsexperten, waren die gewährten Anreize für Investitionen meist willkürlich, jetzt sind diese vertraglich festgelegt und bieten damit beiden Seiten größere Sicherheiten.

Angolas Banken wollen vor allem die Diversifizierung der Wirtschaft finanzieren

Angolas Banken müssen nach Auffassung einiger führender Banker des Landes ihre starke Kapitalbasis und die zunehmende Liquidität dazu verwenden, durch Bereitstellung von Darlehen für Industrieprojekte und die Landwirtschaft, die Diversifizierung der immer noch vom Öl abhängigen angolanischen Wirtschaft zu beschleunigen. Dies ist das Ergebnis einer Konferenz von Bankenvertretern portugiesisch-sprachiger Länder, zu der Portugals Nationalbank nach Lissabon eingeladen hatte.

„Angola hat mittlerweile ein gereiftes Bankensystem, das bereits die Höhen und Tiefen einer Volkswirtschaft erlebt hat, die zu sehr an Öl gekoppelt ist“, sagt Emidio Pinheiro, der CEO der Banco Fomento Angola (BFA), der zweitgrößten Privatkundenbank Angolas und einer der Teilnehmer der Konferenz.

Mira Amaral, die Leiterin der portugiesischen Filiale der Banco Internacional de Credito (BIC) Angola, hält die angolanischen Banken für stark genug, „um eine Wirtschaft zu finanzieren, die sich zwingend vom Öl abkoppeln muß. BIC Angola verfügt über Einlagen von einer Milliarde US-Dollar, finanziert aber Kredite im Wert von lediglich 2,3 Milliarden. Damit bleibt genügend Spielraum, Kundeneinlagen in nennenswerte Kredite umzuwandeln“. Zudem wies Mira Amaral darauf hin, daß nur 12 Prozent der Angolaner über ein Bankkonto verfügen. Für die Banken bedeutet dies Chancen für weiteres Wachstum, vor allem bei der Gründung von Bankfilialen landesweit.

José Reino da Costa, CEO der Banco Millenium Angola, einer Tochter der größten portugiesischen Universalbank Banco Comercial Portugues (Millenium BCP), dauert der Diversifizierungs-Prozeß zu lange, vor allem angesichts der Notwendigkeit von Investitionen in austauschbare Güter, namentlich in der Landwirtschaft und Industrie. Angolanische Banken würden viel lieber Projekte in diesen Bereichen finanzieren als Immobilien oder staatliche Bauvorhaben. Da Costa sieht allerdings Gefahren in der angolanischen Unternehmensstruktur, die es Banken schwer macht, vor der Gewährung von Krediten eine Bewertung der Risiken vorzunehmen.

„Kredite für Unternehmen stellen in Angola eine der größten Herausforderungen dar. Es gibt nach wie vor nur wenige Unternehmenskunden, die geordnete Konten oder nachhaltige und glaubwürdige Businesspläne vorweisen können.“

Trotz aller Anstrengungen, Angolas Wirtschaft zu diversifizieren und in andere Bereiche wie Landwirt-schaft zu investieren, stammen immer noch 90 Prozent des Export-Einkommens aus dem Ölgeschäft, das aber weniger als ein Prozent der angolanischen Arbeitsplätze schafft.

Einer Meldung der Agentur Reuters zufolge bescheinigen Analysten dem angolanischen Bankensektor inzwischen eine gute Kapitalisierung, hohe Profitabilität und eine belastbare Qualität seiner Vermögenswerte. So haben beispielsweise die Gewinne der BFA, an der die portugiesische Banco BPI mit über 50 Prozent beteiligt ist, die Auswirkungen der Euro Schuldenkrise bei der BPI abfedern helfen.

Die Schulden der portugiesisch-sprachigen Länder Afrikas gegenüber Portugal beliefen sich Ende des Jahres 2010 auf insgesamt 1,764 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hat Angola, dessen Verbindlichkeiten mit 1,056 Milliarden Euro beziffert werden.

Visa Vergabe erleichtert

Die Außenminister Angolas und Portugals, George Chikoti und Paulo Portas, unterzeichneten in Lissabon eine Vereinbarung zur Beschleunigung der Bearbeitung von Visa.

„Die Vereinbarung wird Vieles sehr viel einfacher machen. Ich würde sie im Hinblick auf die Bewegung von Menschen und Gütern zwischen beiden Ländern sogar als revolutionär bezeichnen“, sagte George Chikoti im Anschluß an die Unterzeichnung zu Vertretern der Presse.

Trotz der historischen Verbindung, des zunehmenden Handels und wachsender Investitionen war die Visavergabe ein lang anhaltender diplomatischer Kampf zwischen beiden Ländern geblieben. Viele Portugiesen mußten monatelang auf ihre Arbeits-Visa oder Arbeitserlaubnis warten. Vielfach wurde die Erteilung nach langer Wartezeit abgelehnt. Auch die Angolaner, so Außenminister Chikoti, zeigten sich zunehmend frustriert über den langwierigen Prozeß.

Die Vereinbarung erlaubt die Ausgabe von 90-Tage-Arbeits-Visa pro Halbjahr (180 Tage pro Jahr) mit der Möglichkeit von mehrfach Ein- und Ausreisen. Das Visum wird innerhalb von acht Tagen erteilt. Eine Arbeitserlaubnis ist nun für drei Jahre gültig (vorher ein Jahr) und kann zweimal für jeweils weitere drei Jahre verlängert werden. Die Bearbeitungszeit beträgt 30 Tage. Zur jeweiligen Verlängerung ist vor Ablauf eine Rückkehr nach Portugal erforderlich.

Nach Schätzungen arbeiten in Angola etwa 100.000 Portugiesen, etwa 25.000 Angolaner leben in Portugal. In Angola sind ca. 7.000 portugiesische Unternehmen registriert, eine wirtschaftliche Verbindung, die angesichts des Kampfes der portugiesischen Regierung gegen die Auswirkung der nationalen Schuldenkrise von Bedeutung ist.

Kupferabbau in Kuando-Kubango startet 2012

Die Regierung der Provinz Kuando-Kubango wird im kommenden Jahr nahe der Stadt Menonque mit dem Abbau von Kupfer beginnen. Wegbereiter dieses Vorhabens ist das angolanische Unternehmen Geomineira, das bereits seit einiger Zeit Erkundungsarbeiten in dem Gebiet durchführt. Das etwa 22 Quadratkilometer umfassende Areal enthält, ebenso wie die erkundeten Gebiete von Caiundo und Luassenha, große Kupfervorkommen. Die Provinzregierung arbeitet derzeit an einem Bericht, der dem Ministerium für Industrie, Bergbau und Geologie zugeleitet wird, mit dem Ziel der Freigabe von finanziellen, materiellen und personellen Resourcen.

Es wird vermutet, daß in der Provinz Kuando-Kubango neben Kupfer auch größere Vorkommen an Uran, Gold, Diamanten, Quecksilber und Eisenerz vorhanden sind. Mit deren Erkundung soll so schnell wie möglich begonnen werden.

Endiama/De Beers investieren in die Erkundung von Diamantenreserven

Das Konsortium Endiama/De Beers hat in den abgelaufenen sechs Jahren 150 Millionen Dollar in die Erkundung von Diamanten in der Provinz Lunda Norte investiert. Der Direktor des Konsortiums, Pedro Lago de Carvalho, wies am Rande der 3. Internationalen Messe für Bergbau in Angola (FIMA) darauf hin, daß Angola über signifikante Diamantenreserven verfügt, aber leider nur über wenige Unternehmen, die Interesse an deren Erkundung zeigen. Allein in Lunda Norte sind 12 Sonden des Konsortiums im Einsatz sowie ein Labor zur Analyse der Kimberlites. Ein weiteres Labor wurde in der Provinz Luanda eingerichtet.

Das Endiama/De Beers-Konsortium beschäftigt zur Zeit 230 Mitarbeiter, 25 davon sind Ausländer. Ende des Jahres soll die Zahl der Mitarbeiter auf 300 steigen.

Angola Diamond Polishing eröffnet Geschäft in Luanda

Das staatliche Unternehmen Angola Diamond Polishing (ADP) plant, in Kürze in der Nachbarschaft von Talatona ein Juweliergeschäft zu eröffnen. „Wir bauen eine Embryonale Schmuckindustrie auf, indem wir geschliffene Diamanten als halbfertigen Schmuck anbieten und damit einen nationalen Markt zur Weiterverarbeitung aufbauen. Wir verkaufen aber auch fertigen Schmuck“, erklärte Miguel Bondo Junior, Geschäftsführer der ADP.

Das Unternehmen wurde vor sechs Jahren gegründet. Pro Monat werden bei ADP Diamanten im Wert von 20 Millionen Dollar geschliffen, die durch die Sociedade de Comercializacao de Diamantes de Angola (SODIAM) vor allem nach Israel, aber auch in andere Länder der Welt verkauft werden. SODIAM gehört zu 99 Prozent dem staatlichen Unternehmen Empresa Nacional de Diamantes (ENDIAMA).

Botschafter Ribeiro in Washington akkreditiert

Alberto Bento Ribeiro, bisheriger Botschafter der Republik Angola in der Bundesrepublik Deutschland, wurde vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama zur offiziellen Übergabe seiner Akkreditierung als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Angola im Weißen Haus in Washington empfangen. Der angolanische Botschafter bezeichnete in seiner Antrittsrede das 2010 von beiden Staaten unterzeichnete Memorandum über eine strategische Partnerschaft als ein wichtiges Dokument für die Diplomatie zur Stärkung der bestehenden guten Beziehungen zwischen beiden Staaten. Barack Obama erwiderte, Alberto Bento Ribeiro sei in einem entscheidenden Moment der Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen beiden Staaten zum Botschafter in den USA ernannt worden. Schließlich zähle Angolas Wirtschaft inzwischen zu den stärksten auf dem afrikanischen Kontinent.

Vietnam baut Handelsbeziehung zu Angola aus

Der Wert des Handelsvolumens zwischen Angola und Vietnam betrug im vergangenen Jahr 115 Millionen Dollar. Dies gab der vietnamesische Botschafter in Angola, Pham Tien Nhiem, in Luanda bekannt. Allein 82 Millionen entfielen auf den Export von Reis nach Angola. Der Rest verteilte sich auf weitere Lebensmittelprodukte, chemische Produkte, Papier, Computer, elektronisches Zubehör, Möbel oder Haushaltsgeräte. Im Gegenzug exportierte Angola nach Vietnam Holz und Rohstoffe für die Textilherstellung.

Der vietnamesische Botschafter kündigte einen weiteren Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern in den Bereichen Telekommunikation, Fischerei, Öffentliche Sicherheit, Hochschulbildung, Gesundheit und Landwirtschaft an.

Türkei bietet Zusammenarbeit im Bereich Bildung an

Die türkischen Erziehungsbehörden sind nach Aussage des türkischen Botschafters in Angola, Hamit Osman Olcay, daran interessiert, die Zusammenarbeit mit Angola im Bereich der Universitäten zu intensivieren. Dazu gehört auch die Vergabe von Stipendien an angolanische Studenten. Die Türkei warte nur auf grünes Licht durch die angolanischen Behörden für den bereits vor fünf Jahren vereinbarten Wissensaustausch. Ein Schwerpunkt könnte dabei nach Meinung von Professor Orhan Kural, Inhaber des Lehrstuhl für Bergbautechnik an der Technischen Universität Istanbul, die Ausbildung angolanischer Studenten zu Bergbau-Ingenieuren sein, da Angola über ein großes Potential an Bodenschätzten verfüge, könne die Türkei mit ihren Fachkenntnissen auf diesem Gebiet erheblich zur Ausbildung von Spezialisten beitragen.

Umkehr der Macht?

Die in Namibia erscheinende „Allgemeine Zeitung“ hat sich mit dem Wandel in den Beziehungen zwischen ehemaligen Kolonialmächten und deren früheren Kolonien in Afrika beschäftigt.

Einen besonders eindrucksvollen Weg zur „Umkehr der Macht“ beschreitet dabei Angola, das mit Beteiligungen und Käufen insbesondere im Bankenbereich zunehmend Einfluß in und auf Portugal gewinnt. Das der portugiesischen Regierung von der EU verordnete Privatisierungsprogramm zur Stabilisierung der Wirtschaft des Landes und des Euro bekommt damit Relevanz auch für Angola.

Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Beitrag von Wolfgang Drechsler:

„Nicht nur China genießt den Rollenwechsel vom Bittsteller zum Geber in seinem Verhältnis zu Europa und den USA. Auch viele Staaten in Afrika glauben mittlerweile, in den Beziehungen zu den alten Kolonialmächten im Norden zunehmend am längeren Hebel zu sitzen. Während zum Beispiel Spanien oder Großbritannien mit einer schweren Schuldenkrise und sozialen Unruhen kämpfen, rühmen sich eine Reihe afrikanischer Staaten wie etwa Angola oder Ghana höherer Wachstumsraten und vermehrter Kapitalzuflüsse. In mancher Hinsicht erinnert die Lage frappant an die frühen 1990er Jahre, als Afrika unter dem Diktat der Weltbank stand und mit harten Strukturanpassungsmaßnahmen zur Gesundung seiner (desolaten) Finanzlage gedrängt wurde.

Ein besonders eindrückliches Beispiel für die neue Dynamik liefert das Verhältnis Angolas zu seiner früheren Kolonialmacht Portugal. Angesichts der schweren Finanzkrise im eigenen Land ziehen immer mehr Fachkräfte aus Portugal in die 1975 unabhängig gewordene Kolonie. Waren die Portugiesen damals noch Hals über Kopf vor dem Bürgerkrieg nach Norden geflohen, ziehen heute viele in die andere Richtung. Nach Angaben des portugiesischen Außenmi¬nisteriums waren 2009 rund 100000 Portugiesen als angolanische Staatsbürger registriert – fast doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor.

Dank seines Ölreichtums zählt Angola derzeit zu den wenigen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten in Afrika. Inzwischen ist das Land gleich hinter Nigeria zum zweitgrößten Ölförderer in Schwarzafrika aufgestiegen – und mit einem Anteil von 25% zum größten ausländischen Öllieferanten Chinas geworden. Im Gegenzug hat Peking den Angolanern Kredite in Höhe von fast 15 Milliarden US$ gewährt. Kein Wunder, dass Angolas Wirtschaft in diesem Jahr um fast 8% wachsen soll, allerdings von einer niedrigen Basis aus. Immer mehr portugiesische Baufirmen legen ihr Augenmerk inzwischen auf die frühere Kolonie. Zudem dominiert Portugal den angolanischen Finanzsektor.

Doch auch hier scheint sich das Blatt zu wenden: Bei seinem jüngste Besuch in Lissabon erklärte Angolas Außenminister Paulo Portas, sein Land werde das von der EU verordnete Privatisierungsprogramm für Portugal genau studieren. Als Speerspitze der Angolaner fungiert dabei nach Angaben des britischen „Economist“ Angolas hochprofitable staatliche Ölfirma Sonangol, der bereits jetzt ein Anteil von 12% an der Millenium BCP gehört, der größten börsennotierten Bank in Portugal. Daneben strebt Sonangol offenbar eine Beteiligung an Portugals staatlicher Energiefirma GALP an.

Bereits seit längerem besitzt zudem Isabel dos Santos, die älteste Tochter des seit über 30 Jahre herrschenden angolanischen Staatspräsidenten Eduardo dos Santos, mit ihrer angolanischen Banco BIC einen Anteil von fast 10% an Portugals Banco Portugues de Investimentos. Daneben hat die Bank der Präsidententochter gerade für 58 Mio. US Dollar die portugiesische BNP-Bank erworben, deren Verkauf der Internationale Währungsfonds (IWF) zuvor zur Auflage für ein neues Hilfspaket an Lissabon gemacht hatte.“

 



Nürnberg, 26. September 2011
Rainer Dzösch

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