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Wirtschafts-Initiative e.V.

  

Angola startet Fünf-Milliarden-Dollar Staatsfonds

Angola legt einem Bericht von Bloomberg Businessweek zufolge einen Staatsfonds auf, der mit fünf Milliarden Dollar in Vermögenswerten ausgestattet wird. Damit sollen die Auswirkungen bei Schwankungen der Rohstoffpreise abgefedert werden. Der Internationale Währungsfonds hatte die angolanische Regierung im Zusammenhang mit der Erteilung eines Kredits in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar vor drei Jahren zu dieser Maßnahme aufgefordert.

Der Fundo Soberano de Angola (FSA) wird von einem dreiköpfigen Vorstand verwaltet, der von Armando Manuel geleitet wird, dem Sekretär für Wirtschaftsfragen des angolanischen Staatspräsidenten Jose Eduardo dos Santos.  Dem Vorstand gehört außerdem José Filomeno de Sousa dos Santos an, ältester Sohn des Staatspräsidenten. Der Name des dritten Vorstandsmitglieds wurde bislang nicht veröffentlicht.  Der Fonds investiert in Finanztitel und  in Beteiligungen an Infrastruktur- und Hospitality-Projekten sowie in andere Branchen, die ein starkes Wachstum in Sub-Sahara-Afrika aufweisen.

"Zur Unterstützung seines Mandats wird der FSA in Angola und international investieren, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Angolas zu fördern und Wohlstand zu schaffen für die zukünftigen Generationen des Landes", heißt es in einer Erklärung, die Bloomberg Businessweek vorliegt.

Als 2008 die Ölpreise fielen, hatte der IMF der Republik Angola einen Kredit in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar gewährt, verbunden mit der Forderung der Einrichtung eines Fonds und der Beendigung  der quasi-fiskalischen Operationen der staatlichen Ölgesellschaft Sonangol. Die angolanische Regierung verabschiedete daraufhin im vergangenen Jahr ein Gesetz zur Schaffung des Fonds. Der IMF forderte zudem, bei der Erstellung des Staatshaushalts die zu erwartenden Öleinnahmen unter dem aktuellen Marktpreis zu budgetieren, um die angolanische Wirtschaft von externen Schocks zu schützen.

"Die Regierung befürchtet eine Abhängigkeit der Wirtschaft vom Öl und denkt deshalb über zukünftige Maßnahmen zum Schutz der wirtschaftliche Stabilität nach", so Joao Fonseca, Executive Director bei der Banco Angolano de Investimentos (BAI) in einem Interview mit der Wochenzeitung Expansao in Luanda. Details zu dem Fonds sollen in Kürze bekanntgegeben werden.

Bislang sickerte durch, daß der Fonds Mittel zur Entwicklung der Landwirtschaft, der Wasserversorgung, der Stromerzeugung und des Transportwesens vergeben  und ausländische Investoren für Infrastrukturprojekte gewinnen soll. Finanziert werden auch Projekte der Hotelindustrie im südlichen Afrika sowie eine Hotelfachschule.

In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Filomeno dos Santos, der Fonds sei kein Stabilitätsinstrument für eventuelle Ölpreis-Schocks, sondern diene zur Diversifizierung der Wirtschaft und zur Schaffung von Wohlstand. Der Fonds werde weiter wachsen durch Einnahmen aus dem Ölgeschäft, die von der Regierung zur Verfügung gestellt und durch Renditen, die aus Investitionen des Fonds erwirtschaftet werden. Wie hoch dieses Wachstum sein könnte, ließ er offen.  

Der Fonds  bekommt neben dem Vorstand einen unabhängigen Beirat, der aus den Ministern  für Finanzen, Wirtschaft und Planung besteht. Außerdem wird José de Lima Massano, der Gouverneur der Banco Nacional de Angola (BNA) in diesem Gremium vertreten sein.

Der Fonds ist gegenüber der Regierung zur Rechenschaft über erbrachte Leistungen verpflichtet und muß dem Parlament jährlich einen Bericht vorlegen. Zudem werden international anerkannte, unabhängige Wirtschaftsprüfer ernannt.

"Die Transparenz des Fonds“, so Filomeno dos Santos in dem Reuters-Gespräch weiter, „wird durch unsere strengen Regeln zur Berichterstattung und Prüfung und einer Investitions-Politik garantiert, die in Kürze öffentlich gemacht wird."

Neben dem FSA gibt es seit etwas mehr als einem Jahr einen separaten Öl-Fonds, der von Angolas Staatspräsident dos Santos persönlich betreut wird. In diesen fließt der Erlös von jeweils 100.000 Barrel Öl pro Tag. Der Fonds dient vornehmlich der Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus und der Wasserversorgung.

Inflation auf Allzeittief

Mit dem Rückgang der Inflation auf ein für Ende des Jahres prognostiziertes Allzeittief von weniger als zehn Prozent könnte die Banco Nacional de Angola (BNA) den Zinssatz in den ersten fünf Monaten des Jahres 2013 möglicherweise senken, so die Erwartung der Economist Intelligence Unit (EIU in ihrem neuesten Bericht zur wirtschaftlichen Entwicklung Angolas. Damit kann die angolanische Wirtschaft auf bessere Konditionen bei der Beantragung von Krediten hoffen. Der Leitzins liegt derzeit bei 10,25 Prozent.

Dem Bericht zufolge lag die Inflationsrate im August dieses Jahres bei 9,87 Prozent (im September betrug der Wert laut Nationalem Statistischen Institut, INE, 9,65 Prozent). Über das gesamte Jahr gesehen rechnen die EIU Ökonomen mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 10,3 Prozent. Erfahrungsgemäß verstärkt sich der Preisdruck in den Monaten November und Dezember. 2011 betrug die Inflationsrate 11,4 Prozent.

Die Gründe für den geringeren Preisdruck in den ersten zehn Monaten liegen einerseits in dem Rückgang der Preise für Waren weltweit, andererseits in der größeren Stabilität bei den Wechselkursen. Auch die Entscheidung der angolanischen Regierung, die Subventionen für Kraftstoff nicht zu reduzieren, hat zu einer Entlastung beigetragen. Einen weiteren Beitrag zur Preisstabilität leistete die Einführung des Leitzinses durch die BNA im Oktober 2011. Allerdings, auch wenn die Wirksamkeit der Geldpolitik damit erhöht  wurde, sollte die Rolle des Leitzins` nach Ansicht der EIU Analysten bei der Bekämpfung der Inflation nicht überbewertet werden.

"Die anhaltend hohe Dollarisierung in Angola und die große Abhängigkeit von Konsumgüter-Importen bedeutet, daß die Stabilität des Wechselkurses - unterstützt durch die Erholung der angolanischen Währungsreserven - wahrscheinlich einen größeren Einfluß auf die Begrenzung des Preisdrucks hatten", heißt es in dem Bericht.

Die EIU rechnet für 2012 mit einem Wirtschaftswachstum von acht Prozent, deutlich mehr also als die 3,4 Prozent, die im vergangenen Jahr erreicht wurden. Gestärkt durch die Erholung der Produktion und der Preise auf dem internationalen Ölmarkt wird das Wachstum Angolas trotz einer geringen Verlangsamung mit sieben Prozent im kommenden Jahr weiterhin sehr hoch bleiben.

Der Internationale Währungsfond (IWF) sieht das Wirtschaftswachstum Angolas in diesem Jahr bei 6,8 Prozent. In seinem World Economic Outlook Report rechnet der IWF für das kommende Jahr mit einem weiteren Wachstum von 5,5 Prozent. Die Inflationsrate wird sich von 10,8 Prozent (2012) auf 8,6 Prozent im Jahre 2013 verringern. Der IWF stellt fest, daß Angolas Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt einmal mehr das Ergebnis seiner Ölexporte sein wird, die mit einem Zuwachs von sechs Prozent in diesem Jahr weiterhin hoch bleiben werden. „Die Steigerung der Ölproduktion wird zu einem Anstieg des BIP um etwa 6,8 Prozent führen“, so der IWF.

Sechs angolanische Banken unter den Top 100 Afrikas

In der Liste der 100 größten afrikanischen Banken, die jedes Jahr vom African Business Magazin erhoben wird, befinden sich in diesem Jahr sechs angolanische Banken. Kriterium für die Aufnahme in diese Liste ist das ausgewiesene Eigenkapital der Banken.

Auf Platz 27 (Vorjahr 33) findet sich als größte angolanische Bank die Banco Angolano de Investimentos (BAI) mit einem Eigenkapital von 708 Millionen Dollar, dicht gefolgt von der Banco des Poupanca e Credito (BPC), die mit einem Eigenkapital von 705 Millionen Dollar Rang 28 (Vorjahr 38) einnimmt. Auf Platz 32 (Vorjahr 42) rangiert die Banco BIC mit 650 Millionen Dollar, auf Platz 38 die  Banco de Fomento Angola (BFA) mit 473 Millionen Dollar. Mit leichtem Abstand nimmt die Banco Espírito Santo Angola (BESA) mit 383 Millionen Dollar Platz 48 (Vorjahr 50) ein. Letzte der angolanischen Banken wird die Banco Millennium Angola, die mit einem Eigenkapital von 171 Millionen Dollar auf Rang 86 (Vorjahr 84) gelistet ist.

Angeführt wird die Liste von fünf südafrikanischen Banken, der Standard Bank Group, FirstRand Banking Holdings, ABSA Group, Nedbank Group und Investec Bank, die insgesamt über ein Eigenkapital von 32,636 Milliarden Dollar verfügen und damit eine höhere Kapitalquote ausweisen als alle Banken zusammen, die auf den Plätzen 6 bis 27 geführt werden. Diese Plätze nehmen Banken aus Marokko, Libyen, Nigeria, Ägypten, Algerien, Togo und Mauritius ein.

Sonangol erhöht Anteil an Portugals Millenium BCP

Das staatliche Erdölunternehmen Sonangol hat seine Beteiligung an der portugiesischen Bank Millennium BCP von bislang 0,57 auf 11,6 Prozent erhöht. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung Diario Economico. Sonangols Beteiligung, die laut Genehmigung der portugiesischen Nationalbank bis zu 20 Prozent betragen darf, bleibt damit hinter den Erwartungen von Wirtschaftsbeobachtern zurück.

Einen weiteren Kapitalzufluß erhielt Millennium BCP durch die angolanische Banco Privado Atlantico (BPA), die ihren Anteil auf 2,1 Prozent steigerte. An der BPA ist auch Sonangol signifikant beteiligt.

Damit kontrollieren die Angolaner nun insgesamt 13,7 Prozent der Millennium BCP Portugal.

MAN Diesel & Turbo beliefert Kraftwerke in Angola

MAN Diesel & Turbo hat von WinEnergy, einem portugiesischen EPC-Auftragnehmer (Engineering, Procurement and Construction), den Auftrag zur Lieferung von 49 MAN Generatorsets an den staatlichen angolanischen Energieversorger Empresa Nacional de Electricidade (ENE) erhalten. Die bestellten GenSet-Motoren haben eine Gesamtleistung von mehr als 200 MW und werden in sieben neuen Kraftwerken zu Einsatz kommen. Die ersten von ihnen werden in die Provinz Cunene, im Süden Angolas, geliefert, um dort maßgeblich zur Stabilisierung der regionalen Energieversorgung beizutragen. Der Auftragswert liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

MAN Diesel & Turbo ist durch seine After-Sales-Sparte, MAN PrimeServ, in Angola vertreten.

Starke Nachfrage nach Landmaschinen

Das staatliche angolanische Landbewirtschaftungs-Unternehmen Gesterra (Gestao de Terras Araveis) verwendet 25 Prozent seines Jahreshaushalts auf den Kauf von landwirtschaftlichen Maschinen.

Wie der Chef des Unternehmens, Eduardo Barros, der angolanischen Nachrichtenagentur ANGOP mitteilte, investiert Gesterra Jahr für Jahr etwa 60 Millionen Dollar in neue Landmaschinen und in den Kauf von Saatgut und anderen Materialien. Dennoch, so Barros, gibt es derzeit nicht genügend landwirtschaftliche Maschinen, um die Nachfrage in Angola zu erfüllen.

Gesterra untersteht dem Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei.



Nürnberg, 18. Oktober 2012
Rainer Dzösch

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