Deutsch-Angolanische
Wirtschafts-Initiative e.V.

  

Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Unternehmen neu geregelt

Am  27. Oktober 2011 trat das neue Präsidialdekret Nr. 273/11 in Kraft. Dieses neue Gesetz wird sowohl für bestehende als auch zukünftige Geschäftsbeziehungen zu Angola von Bedeutung sein und unter Umständen eine Überarbeitung bestehender Geschäftsmodelle notwendig machen. Das Gesetz enthält strenge Vorschriften zur Kontrolle und Beschränkung von Verträgen, die technische Hilfe oder Managementleistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmens für ein angolanisches Unter-nehmen zum Gegenstand haben.

Solche Verträge dürfen danach nur noch in bestimmten Situationen und mit bestimmtem Inhalt mit ausländischen Unternehmen abgeschlossen werden. Die Verträge müssen auf angolanischem Recht basieren und, einschließlich aller Anlagen, in portugiesischer Sprache verfaßt sein.

Verträge, deren Wert 300.000 US-Dollar übersteigt oder deren Laufzeit mehr als ein Jahr beträgt, müssen durch das Wirtschaftsministerium unter Einbeziehung jeweils eines Vertreters der National-bank und des Ministeriums für Verwaltung, Beschäftigung und soziale Sicherheit genehmigt werden. Verträge, in denen Wert oder Laufzeit darunter liegen, sind zwar nicht genehmigungspflichtig, müssen aber dem Wirtschaftsministerium gemeldet werden.

Angolanische Unternehmen, die zur Umsetzung eines nach den Vorschriften des Investitionsgesetzes geförderten Projekts gegründet wurden, dürfen nur in Ausnahmefällen technische Hilfe oder Manage-mentleistungen ausländischer Unternehmen in Anspruch nehmen. Prüfung und Genehmigung erfolgen in diesen Fällen durch die Agentur für Privat-Investitionen (ANIP).

Bereits bestehende Verträge müssen ab sofort innerhalb von 60 Werktagen beim Wirtschaftsministerium registriert werden. Ein Verstoß gegen das neue Gesetz führt zur Unwirksamkeit des jeweiligen Vertrages.

Neue Abgabenordnung ab 2012

Die angolanische Regierung hat mit Beginn des neuen Jahres neue Steuerregelungen eingeführt, die den Schwerpunkt des 2010 präsentierten Exekutiv-Programms für die Steuerreform des Landes bilden und dazu führen sollen, die Staatseinnahmen zu erhöhen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die wirtschaftlichen Aktivitäten effizienter zu gestalten. Betroffen davon sind die generelle Steuerregelung, der Steuer-Verfahrens Code und der Steuer-Ausführungs Code. Dies geht aus dem jüngst veröffentlichten Report der Economist Intelligence Unit (EIU) hervor.

Nach Beobachtung der britischen Analysten macht sich die angolanische Regierung nun endlich daran, die längst überfällige Modernisierung des gesetzlichen Rahmens und des Steuersystems vor-zunehmen, das zu großen Teilen seit Jahrzehnten nicht angepaßt wurde. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll zudem eine Mehrwertsteuer und eine veränderte Einkommensteuer eingeführt werden. Die Körperschaftssteuer soll bei 35 Prozent bleiben.

In der Vergangenheit lag das Hauptaugenmerk auf der Besteuerung der Einnahmen aus Öl und Diamanten, weil in den anderen Bereichen weniger Einnahmen zu verzeichnen waren.

Für die angolanische Regierung ist die Steuerreform eine große Herausforderung, weil die Schattenwirtschaft immer noch eine weit größere Bedeutung hat als die offizielle und bislang mit keinerlei Steuern belegt war. Auch der Immobilienmarkt ist nur sporadisch geregelt und Konsumgüter werden zumeist auf Schwarzmärkten gekauft und verkauft.

Ob diese wirtschaftlichen Aktivitäten in die formale Wirtschaft integriert werden können, hängt nach Ansicht der Experten der EIU von der Schaffung weiterer Arbeitsplätz in der offiziellen Wirtschaft ab, die bislang dazu allerdings noch nicht in der Lage war.

Banco BIC kauft Portugals BPN

Wie die portugiesische Zeitung Jornal de Negocios berichtet, unterzeichneten die staatliche Banco  Portugues de Negocios (BPN) und die portugiesischen und angolanischen Aktionären gehörende Banco BIC Mitte Dezember des vergangenen Jahres einen Rahmenvertrag zum Erwerb der BPN durch die BIC, die gleichzeitig eine 25prozentige Anzahlung in Höhe von 10 Millionen Euro leistete. Der endgültige Kaufvertrag soll bis Ende 2012 unterzeichnet werden. Die BPN war im Jahre 2008 verstaatlicht worden.

Die BIC verpflichtet sich, mindestens 750 der derzeit 1580 Mitarbeiter zu übernehmen. Portugals Regierung sagte die Übernahme der bei den Entlassungen und der Schließung von BPN Filialen entstehenden Kosten zu.

Angolas Schuldenstand im November

Angolas Schulden beliefen sich im Dezember 2011 auf insgesamt 31,4 Milliarden Dollar. Nahezu die Hälfte davon, ca. 17,8 Milliarden, waren nach Aussage von Finanzminister Carlos Alberto Lopes Auslandsschulden.

Hauptgläubiger der angolanischen Regierung waren China mit 5,6 Milliarden, Brasilien mit 1,8 Milliarden, Portugal mit 1,4 Milliarden und Spanien mit 1,2 Milliarden.

Die Inlandsschulden in Höhe von 13,6 Milliarden Dollar resultieren hauptsächlich aus Anleihen und Schatzanweisungen zur Unterstützung der laufenden staatlichen Investitions-Programme.

Währungsreserven leicht rückläufig

Angolas Währungsreserven sind im November 2011 auf 23,27 Milliarden US-Dollar gefallen. Dies geht aus einer vorläufigen Verlautbarung hervor, die auf der Homepage der Nationalbank veröffentlicht wurde. Im Oktober betrug die Netto Währungsreserve 23,36 Milliarden und lag damit um 33,5 Prozent über der vom Dezember 2010 (17,3 Milliarden)

Die Inflationsrate lag nach Auskunft des Präsidenten der Nationalbank, José de Lima Massano, im November bei 11,28 Prozent. Die angolanische Regierung hat damit ihr Ziel erreicht, die Inflationsrate zum Ende des vergangenen unter 12 Prozent zu drücken.

In zehn Monaten 500 Millionen Barrel Öl gefördert

Zwischen Januar und Oktober 2011 förderte Angola insgesamt 500,47 Millionen Barrel Öl. Damit lag die durchschnittliche tägliche Fördermenge bei 1,64 Millionen Barrel. Angola förderte weniger Öl als geplant, weil vor allem technische und operative Probleme während des gesamten Jahres immer wieder zur teilweisen Einstellung der Förderung zwangen, wie Ölminister Botelho de Vasconcelos gegen-über der staatlichen Nachrichtenagentur ANGOP vermerkte. Von Januar bis September, so der Minister, exportierte Angola 430,73 Millionen Barrel zu einem durchschnittlichen Preis von 110,43 Dollar pro Faß. Der Export-Anteil des staatlichen Öl-Unternehmens Sonangol betrug 231,93 Millionen Barrel, die zu einem Durchschnittspreis von 110,82 Dollar verkauft werden konnten. Die Einnahmen des  angolanischen Staates betrugen in dem genannten Zeitraum 25,6 Milliarden Dollar.

Ölminister Vasconcelos kündigte für das Jahr 2014 die beabsichtigte Förderung von 2 Millionen Barrel an, ermöglicht durch die Erschließung neuer Ölfelder, auf denen in diesem und im kommenden Jahr mit der Produktion begonnen wird. Angolas Anteil an der weltweiten Erdölproduktion liegt bei zwei bis drei Prozent. Im vergangenen Jahr  profitierte Angola - auch bei den Ölpreisen - von den politischen Spannungen in Nordafrika und Teilen der arabischen Welt.

Investitionen von 16,5 Milliarden in die Stromversorgung

Als Ergebnis einer Studie, die der angolanische Energieminister Joao Baptista Borges präsentierte, werden bis 2016 in den Ausbau der Stromversorgung, einschließlich Erzeugung, Übertragung und Verteilungssegmente, 16,5 Milliarden Dollar investiert. Damit soll der steigenden Nachfrage nach Strom nachgekommen werden, die im vergangenen Jahr um etwa 12 Prozent gestiegen ist, verursacht durch die fortschreitende  Industrialisierung und die Entstehung neuer Wohngebiete.

12 Millionen der gesamten Investitionen entfallen auf den nördlichen Teil Angolas mit den Provinzen Kwanza Norte, Luanda, Bengo, Malanje, Uige, Kwanza Sul und Zaire.

Das Programm zur Elektrifizierung, das 2016 abgeschlossen sein soll, beinhaltet außerdem die Rehabilitierung und den Ausbau bestehender Systeme mit dem Ziel, eine Kapazität von 5.000 Megawatt für eine verläßliche Stromversorgung in diesem Gebiet zu erreichen.

Zum Ausbau des Wasserkraftwerks  am  Cambambe Staudamm wird auch der Bau eines neuen Kraftwerks gehören. Der Staudamm wird seit 2010 renoviert und von 102 auf 130 Meter Höhe ausgebaut.

Verbindung zwischen Brasilien und Angola per Unterwasserkabel

Im März werden das brasilianische Telekommunikationsunternehmen Telebras (Telecomunicacoes Brasileiras) und Angola Cable über die Vergabe eines Auftrags zur Ziehung eines 6.000 Kilometer langen Unterwasser-Glasfaserkabels entscheiden, das die brasilianische Stadt Fortaleza (Bundesstatt Ceara) und Angolas Hauptstadt Luanda verbinden wird.

Mit dieser Verbindung nach Afrika erhofft sich Telebras eine Kostenersparnis für brasilianische Inter-net Zugänge nach Asien und Afrika von etwa 80 Prozent, weil der Internet-Verkehr auf diese beiden Kontinente nicht länger über Europa und die USA laufen muß.

Angola Cable ist ein Zusammenschluß von Angola Telecom mit verschiedenen privaten Unternehmen, dessen Hauptgeschäft im Bau und Betrieb des angolanischen Glasfasernetzes liegt. 

Große Phosphatreserven in der Provinz Zaire

Die angolanische Provinz Zaire verfügt nach Auskunft des nationalen Bergbaudirektors Kavungo Marlon über geschätzte Phosphatreserven von 200 Millionen Tonnen. Dies berichtet die staatlichen Nachrichtenagentur ANGOP.

Die Vorkommen, die bereits vor einigen Jahren erkundet wurden, befinden sich im Lucunga Bassin nahe der Stadt Tomoboco und können, laut Kavungo Marlon, die Provinz Zaire bereits 2014 auf die Karte für Phosphat, Phosphorsäure und Dünger bringen. Eine Neubewertung der Reserven erfolgt im April dieses Jahres, gefolgt vom Bau einer Kläranlage für Erz, dem Aufbau einer Produktion von Phosphorsäure und einem Bergbau-Hafen.

Noch in diesem Jahr beginnt in Mussarra in der Gemeinde Nzeto eine großangelegte Erkundung von Kalium und bitumenhaltigen Gesteinen. Außerdem soll dort die Granit Produktion fortgesetzt und mit der Herstellung von Fliesen begonnen werden.

Marlon zeigte Verständnis für den Wunsch lokaler Behörden, die Erkundungen auf Bauxit- und Goldreserven auszudehnen, von denen größere Vorkommen in M’banza Congo vermutet werden.

Anbindung an  Nordafrika

RAM Royal Air Maroc nahm die angolanische Hauptstadt Luanda am 1. Dezember in das Streckennetz auf. Die Airline bedient die Strecke jetzt zweimal wöchentlich ab Casablanca und macht dabei einen Zwischenstop in Libreville (Gabun), bevor es weiter nach Luanda geht. Den ersten Streckenabschnitt hatte RAM bereits schon zuvor in ihrem Flugplan angeboten.

Eingesetzt wird eine 162-sitzige Boeing 737-800. Die neue Route ist die einzige Verbindung zwischen Nordafrika und der angolanischen Hauptstadt.

Österreichs Botschafterin verabschiedet

Österreichs Botschafterin Maria Moya-Goetsch, die mit Sitz in Harare als Botschafterin für Zimbabwe und Angola fungierte, hat sich Ende vergangenen Jahres bei den angolanischen Behörden verabschiedet. Die Diplomatin war erst im März 2010 durch den angolanischen Präsidenten akkreditiert worden.

Hintergrund des schnellen Abschieds ist die Entscheidung der österreichischen Regierung, die Botschaften in Harare und Luanda zu schließen. In Luanda bleibt ein Konsulat, das der Botschaft Österreichs  in Südafrika angeschlossen wird. Derzeitiger Honorarkonsul von Österreich in Angola ist der angolanische Geschäftsmann Antonio Mosquito. 



Nürnberg, 18. Januar 2012
Rainer Dzösch

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