Deutsch-Angolanische
Wirtschafts-Initiative e.V.

  

ANIP unter neuer Führung

Maria Luisa Abrantes Perdigao, Rechtsanwältin und Ex-Gattin des angolanischen Staatspräsidenten dos Santos, löst Aguinaldo Jaime in der Führung der staatlichen Agentur für Privat-Investitionen (ANIP) ab. Dies beschloß der Ministerrat unter Vorsitz des Staatspräsidenten Ende September in Luanda.

Maria Luisa Abrantes Perdigoa, die als Vorgängerin von Aguinaldo Jaime bereits einmal an der Spitze der ANIP gestanden hatte, kehrt als bisherige Repräsentantin der ANIP aus Washington zurück. Sie war außerdem Mitglied des Vorstands der ebenfalls in Washington ansässigen Association of Women in International Trade (WIIT).

Über den Verbleib von Aguinaldo Jaime, der zwei Jahre lang den Vorsitz der ANIP innehatte, wurden bislang keine Angaben gemacht.

Zu Administratoren der ANIP wurden Edeltrudes Mauricio Fernades Gaspar da Costa und Paul George Colombo Ringote berufen.

Der Ministerrat beschloß außerdem Neubesetzungen der Führung weiterer staatlicher Unternehmen. Dazu gehören die Banken Banco de Poupanca e Credito (BPC) und die Banco de Comercio e Industria (BCI), Angola Telecom und EPAL.

Neuer Vorstandsvorsitzender der BPC wurde Antonio Paixao Junior, Präsidentin der BCI ist Filomeno Alves da Costa Alegre Ceita.

Angola Telecom bekommt mit Manuel Antonio und Naiole C. Saints zwei neue Executiv-Direktoren und mit dem ehemaligen Transportminister Andre Luis Brandao und Miguel Pedro Domingos zwei neue Non-Executiv-Direktoren.

In das Board of Directors der EPAL wurde Anthony John Arthur Canito als Administrator berufen.

Inflationsrate erstmals seit 2008 unter 12 Prozent

Angolas jährliche Inflationsrate ist im September drastisch gesunken und liegt derzeit unter dem Ziel von 12 Prozent, das sich die angolanische Regierung zum Ende des Jahres 2011 gesetzt hat.

Wie das Finanzministerium auf seiner Website mitteilt, verringerte sich der Anstieg der Verbraucherpreise im September im Vergleich zum Vorjahr auf 11,91 Prozent. Im August lag dieser Wert noch bei 13,68 Prozent. In den vergangenen 11 Monaten ist die Inflationsrate damit zehnmal gefallen, nachdem diese im Oktober vergangenen Jahres mit 16 Prozent ihren Höhepunkt erreicht hatte. Seit April 2008 konnte die jährliche Inflationsrate nie unter 12 Prozent gedrückt werden.

Der IMF und die Rating-Agenturen lobten den Gouverneur der Banco Nacional de Angola (BNA), José de Lima Massano, für den geldpolitischen Kurs, den dieser seit seiner Ernennung im Oktober 2010 eingeschlagen hat. Massano hatte bei seinem Amtsantritt die Bekämpfung der Inflation als eine seiner wichtigsten Aufgaben bezeichnet.

Ende September kündigte der Chef der BNA für diesen Monat die Einführung eines Leitzinssatzes zur Steuerung der Geldpolitik an, um der Wirtschaft mehr Preisstabilität zu verschaffen und den privaten Haushalten höhere Einsparungen zu ermöglichen

Bruttoinlandsprodukt deutlich zurückgegangen

Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, die 2009 auch Angola erreichte, hat - trotz der von der Regierung für die Wirtschaft geschaffenen Anreize - zu einer Schrumpfung der durchschnittlichen Wachstumsrate des angolanischen Bruttoinlandsprodukts auf zwei bis drei Prozent geführt. 2008 lag diese noch bei 17 Prozent. Wirtschaftsminister Abrao Gourgel führt das auf die Abhängigkeit Angolas vom Ölgeschäft zurück, das einen Anteil von 45 bis 50 Prozent am BIP hat. 98 Prozent des Gesamtexports und 75 Prozent der Steuereinnahmen resultieren aus dem Verkauf von Öl.

In einer Rede vor Dozenten und Studenten der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Agostinho Neto Universität in Luanda sagte Gourgel, die Fokussierung auf Öl hemme die Entwicklung anderer potentieller Garanten für wirtschaftlichen Wohlstand, die durch eine intensivere Nutzung der natürlichen Ressourcen des Landes wie Landwirtschaft, Energie, Bergbauexploration, staatliche Aufträge, Binnenhandel und Dienstleistungen angekurbelt werden könnten. Basis für wirtschaftliches Wachstum seien zudem der Wettbewerb zwischen Unternehmen, Bildung und Ausbildung sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Devisenreserven wachsen

Wie die angolanische Zentralbank mitteilte stiegen die Devisenreserven Angolas von 22,6 Milliarden Dollar im Juli dieses Jahres auf 23,2 Milliarden Dollar im August. Angekurbelt durch den starken Ölpreis erhöhten sich die Reserven bereits zum sechsten Mal in diesem Jahr. Vor einem Jahr lagen die Devisenreserven bei 15,8 Milliarden. Angola erzielt mehr als 90 Prozent seiner Deviseneinnahmen aus dem Ölverkauf.

Banken sichern sich ab

Banken, die Kredite für den Wohnungsbau zur Verfügung stellen, sollen beim Aufbau der geforderten Reserven von der Nationalbank Unterstützung bekommen. Bei Kredit-Ausfällen sollen diese Banken nach den Vorstellungen des Vorstandsvorsitzenden der Banco de Poupanca e Credito (BPC), Antonio Paixao Junior, zudem von außerordentlichen Mitteln profitieren, die von der BNA vorgehalten werden. Dies sind Eckpunkte eines Rahmenvertrages, der zwischen der BNA, dem Häuser-Entwicklungs-Fonds und den kommerziellen Banken ausgehandelt wird.

„Erst nach Unterzeichnung der Vereinbarung werden wir konkrete Angaben über Zugangsvoraussetzungen und Zinsen haben und darüber, welche Aufgaben auf die Banken zukommen. Das einzige, was ich sagen kann ist, daß die Banken aufgefordert wurden, die Bemühungen der Regierung zu unterstützen“, so Paixao Junior zur Nachrichtenagentur Angop.

Gefordert wird eine durch die Regierung getragene Kompensation, die von der BNA und dem Fonds zur Unterstützung von Hauserwerb ausgeführt werden. Sollten die Banken zu einer signifikanten Finanzierung von Darlehen aufgefordert werden, muß der Staat sicherstellen, daß zumindest eine teilweise Rückzahlung der Ausfälle gewährleistet ist.

Sechs angolanische Banken in den Top 100 Afrikas

Sechs angolanische Banken haben es in die Liste der 100 größten Banken Afrikas geschafft, die in dieser Woche vom African Business Magazine veröffentlicht wurde.

Mit einer Kapitalausstattung von 654 Millionen Dollar belegt die BFA den 32. Platz und ist damit derzeit Angolas größtes Bankinstitut. Gleich darauf folgt die BAI (639 Millionen), Platz 38 belegt die BPC (526 Millionen), 42. ist die Banco BIC (461 Millionen), auf Platz 50 liegt die Banco Espirito Santo Angola (400 Millionen), auf Platz 84 rangiert die Banco Millenium Angola (151 Millionen). Mit Platz 99 hat es die BCI (106 Millionen) gerade noch in die Top 100 geschafft

Erwartungsgemäß wird die Liste von den südafrikanischen Banken dominiert. Den ersten Platz nimmt die Standard Bank Group ein, die mit einem Eigenkapital von 12,062 Milliarden Dollar ausgestattet ist. Es folgen die ABSA Group, die FirstRank Banking Holding und die Nedbank Group. Zusammen genommen verfügen die vier Anführer der Liste über eine Kapitalausstattung von 31,964 Milliarden Dollar.

ADB eröffnet Büro in Luanda

Ende des Jahres wird die African Development Bank (ADB) in Luanda ein Büro eröffnen. „Wir sind verpflichtet, dieses Büro einzurichten, damit die ADB näher an die angolanische Regierung sowie die Partner und Nutznießer der implementierten Projekte in den verschiedenen Regionen Angolas heranrücken kann“, sagte Nelvina Bareto Gomes, Repräsentant der ADB, in Luanda vor Unternehmern und Investoren der 2. Konferenz für Wasser, Umwelt und Energie, die Projekte mit Unterstützung der ADB in Angola realisieren.

Die ADB hatte 1991 mit ihren Aktivitäten in Angola begonnen und seitdem etwa 350 Millionen Dollar in verschiedene Bereiche der angolanischen Wirtschaft zu Vorzugsbedingungen investiert. Das Geld wurde für die Erstellung von Machbarkeitsstudien und die Durchführung von Projekten in den Bereichen Energie und Wasser verwendet. Finanziert wurde der Masterplan für den Energiesektor, die Instandhaltung der Energie-Infrastruktur und die Studie für den Bau der Stromleitungen zwischen der Provinz Cunene und Namibia. Auch Staudammprojekte in Porto Amboim und der Bau des Staudamms in Namibe Baynes sowie geplante Photovoltaik-Anlagen und Windparks werden durch die ADB gefördert.

Einnahmen aus Ölexporten gestiegen

Angolas Einnahmen aus den Ölexporten beliefen sich Ende August auf 24.954 Milliarden US-Dollar. Wie das angolanische Finanzministerium mitteilte, bedeutet dies ein Wachstum von 44 Prozent. Darin enthalten sind auch die Einnahmen aus den Exporten von Sonangol sowie Steuereinnahmen.

Im gleichen Zeitraum des Jahres 2010 hatten die Einnahmen 17.334 Milliarden betragen.

Ausschlaggebend für die Mehreinnahmen von real 7,621 Milliarden - und das trotz einer Verringerung des Exportvolumens um 12,7 Prozent - war der gestiegene Ölpreis von durchschnittlich 75,39 Dollar pro Barrel im Jahre 2010 auf 108,05 Dollar in 2011.

Angola exportierte in den ersten acht Monaten dieses Jahres 1.604 Millionen Barrel pro Tag, im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahr waren es täglich 1.808 Millionen Barrel. Die Steuereinnahmen aus Ölexporten beliefen sich bis Ende August 2011 auf 2,393 Milliarden Dollar.

Ausbau von Straßen und Brücken

Fernando da Fonseca, Minister für Urbanisation und Bauwesen, versprach in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender TPA den raschen, landesweiten Ausbau und die Rehabilitierung weiterer Straßen und Brücken. „Dies“, so der Minister, „ist wichtig für die Bewegungsfreiheit der Menschen, aber auch, um den Transport von Gütern vom Lande in die Städte zu garantieren und somit die Armut in den ländlichen Bereichen zu bekämpfen. Straßen und Brücken sind Eigentum des Staates und deshalb ist es auch Aufgabe des Staates, die konkreten Voraussetzungen für eine effiziente Infrastruktur zu schaffen.“

Bergbaustudien haben Konjunktur

Die bislang in der Provinz Cabinda entdeckten Phosphatvorkommen betragen geschätzte 240 Millionen Tonnen. Der Nationale Direktor für Bergbau, Kavungo Marconi, kündigte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Angop die Ausarbeitung einer wirtschaftlichen Machbarkeitsstudie zur Exploration von Phosphat und dessen industrieller Verarbeitung an.

Die Provinz Zaire, so Marconi weiter, verfügt über Kupferreserven von 300 Millionen Tonnen. Es ist geplant, in der Region einen Hafen mit einem speziellen Terminal für Kupfer zu bauen. Große Kupferreserven gibt es außerdem in den Provinzen Moxico und Kuando Kubango.

Im Hinblick auf Eisenerz kündigte Marconi eine Studie zum Bau eines Bergwerks in der Provinz Huila an, die ebenso wie die Provinz Kwanza über größere Eisenerzvorkommen verfügt. Zudem sind Studien zur Erkundung von Eisenerzvorkommen in der Provinz Huambo und Bauxitvorkommen in den Provinzen Kwanza Sul und Uige in Arbeit.

Marconi sagte, daß Angolas geologisches Potential bislang noch weitgehend unbekannt ist und daß die derzeit vorhandenen Informationen über den Bergbausektor allein Resultat der Bemühungen der angolanischen Regierung sind, die diesen Bereich dringend weiter entwickeln möchte.

Das Staatsmonopol bei Strom bleibt

Der angolanische Staat wird an seinem Monopol bei Transport und Verteilung von Strom festhalten. Die Ausführung obliegt weiterhin der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft ENE. Dies erklärte der Direktor der Gesellschaft, Antonio Belsa da Costa, vor Vertretern von 70 Unternehmen, die in dieser Woche in Luanda an dem Angolanisch-Südafrikanischen Wirtschaftsforum teilnahmen.

ENE wird bald damit beginnen, den Strom zu bündeln, den sämtliche Wasserkraftwerke im Lande zur Verteilung produzieren und somit das staatliche Transportmonopol umsetzen. Die Behörden sind bereits dabei, die Voraussetzungen für die Verbindung des Stromerzeugungssystems zu schaffen.



Nürnberg, 13. Oktober 2011
Rainer Dzösch

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