Deutsch-Angolanische
Wirtschafts-Initiative e.V.

  

Angola will private Investitionen erleichtern

Der angolanische Wirtschaftsminister Abrahão Gourgel kündigte eine Vereinfachung des Entscheidungsprozesses für private Investitionen an. Der Vorgang soll insgesamt weniger starr ablaufen und die Rückführung von Kapital, Gewinnen und Dividenden schneller vollzogen werden können.

Der Minister berichtete aus einer gemeinsamen Sitzung der an den Ministerrat gekoppelten Ausschüsse für Wirtschaft und Realwirtschaft, in der die geplante Überprüfung des Gesetzes für private Investitionen positiv bewertet worden war. Das modifizierte Gesetz wird nun dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt.

Die Neu-Regulierung von privaten Investitionen betrifft vor allem Schwerpunktbereiche wie Tourismus, Telekommunikation, Informationstechnologien, Logistik und Verkehr, Energie und Wasser sowie das Bauwesen. In diesen Bereichen sind ausländische Investoren zukünftig verpflichtet, angolanische Partner mit mindestens 35 Prozent zu beteiligen.

Investitionen bis 10 Millionen Dollar können, laut Gourgel, von den jeweils zuständigen Ministerien genehmigt werden. Investitionen, die über 10 Millionen Dollar hinausgehen, unterliegen weiterhin der Zustimmung durch den Ministerrat.

Sobald das Gesetz vom Parlament verabschiedet wurde, wird die staatliche Agentur für Privat Investitionen (ANIP) mit der Überwachung und der Förderung der neuen Investitionspolitik beauftragt.

Zulassung von Franchise Systemen geplant

Angola will bis zum Ende des Jahres nationale Regelungen zur Umsetzung von Franchise Systemen erarbeiten. Das Handelsministerium hat dazu eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Staatssekretärs für Außenhandel, Alexandre David de Sousa Costa, ins Leben gerufen, die innerhalb von 180 Tagen der angolanischen Regierung entsprechende Vorschläge unterbreiten soll. Konkret geht es um Regeln zur Einführung von Franchise als zusätzliche Aktivität für den kommerziellen Vertrieb, um dessen Bedeutung für die nationale Marktwirtschaft und um die zukünftige Rechtsform.

Angesichts der gegenwärtigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Angola verspricht sich Handelsministerin Rosa Pacavira von der Zulassung von Franchise Systemen die Einführung neuer Marken, Produkte und Dienstleistungen, die zunehmend von den angolanischen Verbrauchern gefordert werden.

Leitzins angehoben

Erstmals seit Oktober des vergangenen Jahres erhöht die angolanische Zentralbank den Leitzins um 25 Basispunkte auf 9,25 Prozent.

Gleichzeitig stuft die Rating Agentur Fitch Angolas Bonität auf BB- herab mit Ausblick „negativ“. Die Agentur begründet die Entscheidung mit dem starken Rückgang des Ölpreises seit Juli letzten Jahres, einer starken Belastung der Reserven des Landes und einem schwächeren Wirtschaftswachstum, das zu steigenden Schulden führen wird.

41.000 zusätzliche direkte Jobs bis 2017

Im Rahmen des Programms zur Beschleunigung der Diversifizierung der angolanischen Wirtschaft werden in den kommenden drei Jahren 36 private Investitions-Projekte mit 41.000 direkten Arbeitsplätzen geschaffen. Wie Wirtschaftsminister Abrahão Gourgel in Luanda mitteilte, beträgt das Investitionsvolumen insgesamt 22,7 Milliarden US-Dollar.

Profitieren werden davon insbesondere die Bereiche Landwirtshaft, Fischerei, Öl und Gas, Bergbau und Geologie, Tourismus, Transport sowie Wasser und Energie.

„Projekte in diesen Bereichen“, so der Minister, „genießen bei der angolanischen Regierung absolute Priorität.“

Gesonderte Verwaltung von Grundstücken mit Infrastruktur

Auf Anordnung des angolanischen Staatspräsidenten José Eduardo dos Santos wurde mit der Empresa Gestora de Terrenos Infra-Estruturados (EGTI) ein staatliches Unternehmen zur Verwaltung von öffentlichen Grundstücken mit Infrastruktur geschaffen. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Luanda hat, wird über ein Startkapital von 18,6 Millionen Dollar verfügen.

Aufgabe der EGTI ist die Entwicklung eines rationellen und wirtschaftlichen Prozesses zur Urbanisierung des Landes. Im Vordergrund steht dabei die „kluge“ Verwaltung von Land als „öffentlichem Gut“ bei der Erneuerung und Erweiterung von Städten und ländlichen Zentren zum Wohle der jeweils dort lebenden Menschen.

Angola steht weiterhin vor der Realisierung umfangreicher öffentlicher Bauvorhaben in allen 18 Provinzen des Landes. Das betrifft vor allem den Bau von Tausenden von Wohnhäusern und etlichen Gewerbegebieten.

Ausbau von Kommunikationstechnologien schreitet voran

Etwa 14 Millionen Angolaner nutzen inzwischen das Mobilfunknetz, drei Millionen haben Zugang zum Internet und mehr als 400.000 können auf digitale Bibliotheken zugreifen. Diese Zahlen nannte der Minister für Telekommunikation und Informationstechnologien, José Carvalho da Rocha, in seiner Rede anlässlich der Eröffnung des „Forums für Telekommunikation und Informationstechnologien“ in Luanda.

Der Minister betonte, dass die Informations-und Kommunikationstechnologien mittlerweile im gesamten Staatsgebiet nutzbar sind, insbesondere auch in Regionen, in denen dieser Zugang bislang schwierig war. Die Regierung arbeite weiter daran, im Rahmen des Nationalen Entwicklungsprogramms 2013/17 diese Dienste für die Bevölkerung leichter zugänglich zu machen.

Hauptaufgaben seines Ministeriums seien nun die Schaffung einer entsprechenden Infrastruktur, ein intensiver Wissenstransfer und die Umsetzung technologischer Innovationen. Dazu gehöre die weitere Vernetzung des Landes durch die Verlegung von Glasfaser- und Unterwasserkabeln sowie der Ausbau des Satellitensystems ANGOSAT.

ITB in Berlin ein voller Erfolg

Nach Beendigung der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, bei der sich Angola wiederum mit einem eigenen Stand präsentierte, zeigte sich die technische Direktorin für Tourismusentwicklung des Instituto de Fomento Turístico de Angola (Infotur), Laureth da Silva Bravo, gegenüber der Nachrichtenagentur ANGOP zuversichtlich, dass der Tourismus in Angola in den kommenden Jahren eine zunehmend lukrative Einnahmequelle werden und damit einen nennenswerten Beitrag zur Diversifizierung der Wirtschaft leisten könne. Sie rechne damit, dass spätestens ab 2022 der Tourismus einen Mehrwert für Angolas Bruttoinlandsprodukt von jährlich mindestens 4,7 Milliarden Dollar schaffen könne.

Ihren Optimismus begründete da Silva Bravo mit dem Besuch von über 4.000 Fachbesuchern am angolanischen Stand während der Messetage in Berlin. Die Mehrzahl habe sich positiv überrascht über die bisherige Entwicklung des Tourismus und das vorhandene touristische Potential Angolas gezeigt. Ein Großteil der Besucher habe sich eingehend über Möglichkeiten von Investitionen in den Tourismus des Landes informieren lassen.

Patrouillenboote kommen aus Brasilien

Angola wird ein nationales See-Überwachungssystem einrichten, das die Marine sowohl technisch als auch personell aufrüsten wird. In einer Regierungserklärung heißt es, dass dieses nationale System der maritimen Überwachung Teil des "Proatlântico Projects" ist, das ausschließlich der Sicherung der angolanischen Wirtschaftszone dienen wird.

Im September vergangenen Jahres („Angola inside“ berichtete) hatten die Regierungen von Angola und Brasilien in einem Memorandum of Understanding ihre Absicht zum Bau von sieben Patrouillenbooten angekündigt.

Die Schiffe sind jeweils 55,6 Meter lang, verfügen über eine Kapazität von 500 Tonnen und erreichen eine maximale Geschwindigkeit von 21 Knoten. Vier der Schiffe werden in Brasilien (Rio de Janeiro), die übrigen drei in einer Werft in Angola in der Provinz Kwanza Sul gebaut.

Für die angolanische Regierung ist dies ein weiterer Schritt zur Umsetzung des maritimen Entwicklungsprogramms „Programa de Desenvolvimento do Poder Naval de Angola (PRONAVAL)“. Partner bei diesem Projekt ist das der brasilianischen Marine gehörende Unternehmen Empresa Gerencial de Projetos Navais (EMGEPRON) mit Sitz in Rio de Janeiro.

Die Lieferung von Patrouillenbooten nach Angola war auch Gegenstand der Gespräche, die Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich ihres Besuchs in Angola im Juli 2011 mit dem angolanischen Staatspräsidenten José Eduardo dos Santos geführt hat. Grundlage war ein Angebot der Bremer Lürssen-Werft an die angolanische Regierung.

GE liefert 100 Lokomotiven

Das amerikanische Unternehmen General Electric unterzeichnete mit dem Instituto Nacional dos Caminhos de Ferro Angola (INCFA) einen Vertrag über die Lieferung von 100 Lokomotiven des Typs GE C30ACi, inklusive Schulung, Ausstattung mit Werkzeugen und Ersatzteilen sowie weiteren Dienstleistungen.

Die sechsachsigen Loks sind mit 12-Zylinder Dieselmotoren mit einer Leistung von je 3.000 PS ausgestattet. Gebaut werden sie in Erie, Pennsylvania. Die Lieferung wird sich über drei Jahre erstrecken, beginnend 2016.

Die neue C30ACi Serie von General Electric ist Teil der „Ecomagination“ (Grüne Techno-logien) Strategie des Unternehmens, die nach Aussage von Thomas Konditi, Präsident und CEO von GE Transportation Sub-Saharan Afrika, ideal dazu geeignet ist, die ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen des angolanischen Kunden zu erfüllen.

Chinesische Unternehmen zu engerer Zusammenarbeit aufgerufen

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, hat die chinesische Handelskammer in Angola (CCCA) die Mitgliedsunternehmen aufgefordert, enger mit lokalen Partnern zu kooperieren, um die wirtschaftliche und handelspolitische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu vertiefen und der sozialen Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern beider Länder gerecht zu werden.

Die CCCA erinnerte die Unternehmen daran, dass die Gesetze Angolas befolgt und den international geltenden Standards und Praktiken in Bezug auf den Handel sowie den Grundsätzen des fairen Wettbewerbs entsprochen werden müsse. Jegliche Versuche von Korruption sind zu boykottieren und zu bekämpfen. Die CCCA forderte zudem, dem Umweltschutz größere Bedeutung beizumessen und Entwicklungsprojekte nachhaltiger zu fördern.

In Angola sind mehr als 2.500 chinesische Unternehmen mit insgesamt rund 300.000 Beschäftigten tätig.

13.000 Fahrgäste monatlich

Die Moçâmedes Eisenbahn, die bislang nur zwischen Lubango und Menongue verkehrt, befördert auf der insgesamt 510 Kilometer langen Strecke monatlich 13.000 Passagiere. Wie der technische Direktor der Gesellschaft, António Cabral, der Nachrichtenagentur ANGOP mitteilte, fahren die Züge die Strecke dreimal pro Woche. Mit dem Kauf von zusätzlichen Waggons soll die Zahl der Reisenden demnächst deutlich gesteigert werden.

„Außerdem“, so Cabral, „freuen wir uns auf die baldige Vollendung des Streckennetzes bis Namibe, dem früheren Moçâmedes.“

Wirtschaftlichen Aufschwung erhofft sich die Moçâmedes Eisenbahngesellschaft vom Transport von Eisenerz und Gold aus dem Gebiet von Jamba im Südosten der Provinz Cuando Cubango.

Mit dem Wiederaufbau der Eisenbahnlinie, die nach kompletter Fertigstellung die Küstenstadt Namibe mit Menongue, der Hauptstadt der Provinz Cuando Cubango, verbindet, war 2006 begonnen worden. Ursprünglich sollte die insgesamt 860 Kilometer lange Strecke, einschließlich der Nebenstrecken zu den alten Bergbaugebieten von Jamba und Cassinga, im Oktober 2014 fertiggestellt sein.

Registrierung von Lehrern und Schulen

Das Ministerium für Bildung wird in Kürze alle Lehrer im Land registrieren und eine aktuelle Bestandsaufnahme aller Schulen in Angola durchführen. Wie Bildungsminister Mpinda Simão mitteilte, dienen die Maßnahmen dazu, einerseits einen Überblick über die vorhandene Zahl an Lehrern und deren Verteilung im Lande zu bekommen und andererseits Kenntnis über die Standorte von Schulen zu erlangen. Dies sei mittel und langfristig wichtig für die Planung von finanziellen Mitteln für angedachte Entwicklungsprogramme.

In den Programmen, die seitens der Regierung bereits festgelegt wurden, geht es um die Verbesserung der Bildungsqualität, die Erweiterung des Schulnetzes und die Aufwertung der am Bildungssystem beteiligten Akteure. Einzelheiten über den zeitlichen Ablauf der geplanten Erhebung nannte der Minister nicht.

 



Nürnberg, 01. April 2015
Rainer Dzösch

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